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Die Welt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht
drastisch verändert und hierbei versucht, die Folgen einer ausgedehnten
wirtschaftlichen, politischen und technologischen Entwicklung zu
verarbeiten. So hat das für alle inzwischen spürbare Erwachen Chinas und
Indiens genau so zu einer Veränderung der Weltlage geführt, wie dies
durch die Veränderungen in Russland und Brasilien der Fall ist. Obwohl
die Ursachen dieser Veränderungen in der Regel politischer Natur waren,
so sind die sich hieraus ergebenden Konsequenzen mehr und mehr in ganz
anderen Bereichen zu finden. Auch wenn unter Globalisierung zumeist nur
die wirtschaftliche Neuordnung der Weltmärkte verstanden wird, kann man
schon heute deutliche Änderungen in sozialen, politischen, kulturellen,
aber auch in den umweltrelevanten Bereichen finden, die in ihrer
Charakteristik mehr als nur eine Randerscheinung sind und in sich die
Fähigkeit besitzen, die Welt an den Rand einer globalen Krise zu
bringen. Zunehmend wird daher die Frage gestellt, wo all dies enden wird
und was im Einzelnen zu tun ist, um eine solche Krise in unserem eigenen
Interesse zu verhindern. Eine Antwort auf diese Frage kann aufgrund der
zugrunde liegenden Komplexität des Problems weder Anspruch auf
Absolutheit, noch auf Vollständigkeit erheben. Um den bestehenden und
noch zu erwartenden Folgen der Globalisierung sinnvoll zu begegnen,
bedarf es jedoch einer Änderung in der Denkweise und vor allem im
Selbstverständnis aller Nationen.
Eines der Hauptprobleme der Globalisierung ist, dass diese Entwicklung
vor dem Hintergrund nationaler Interessen stattfindet und damit für alle
Teilnehmer eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellt. Die
auf internationaler Ebene zu erbringenden Opfer und Zugeständnisse
müssen zwingend durch geeignete Instrumente in die nationale Struktur
eingebettet und integriert werden, um die Akzeptanz in der eigenen
Gesellschaft zu gewährleisten. Geschieht dies nicht, dann entstehen auf
nationaler Ebene unakzeptable Diskrepanzen, die in ihrer Art dann
wiederum geeignet sind, Extremisten auf den Plan zu rufen oder dem
organisierten Verbrechen alle Türen zu öffnen. Auch wenn manch ein
Politiker der Meinung ist, man könne dem einfachen Volke alles
verkaufen, so hat die Geschichte uns zumindest eines gelehrt und das
ist, dass sich der Wille des Volkes auf die Dauer immer durchgesetzt
hat. Damit wird auch klar, dass eine auf Dauer konzipierte einseitige
Verteilung der Güter keinen Erfolg haben wird und in jedem Falle zu
Problemen führt, die wir aus heutiger Sicht nicht einmal in ihrem
Grundsatz abschätzen können. Globalisierung erfordert daher im Gegenzug
auch, dass die internationale Gemeinschaft die Belange der einzelnen
Nationen klar erkennt, versteht und berücksichtigt. Nimmt man die
gegebene Situation Chinas als Beispiel, dann muss man verstehen, welche
Auswirkungen schon eine Verknappung der Lebensmittel um lediglich 5%
haben könnte. Bei einer Bevölkerung von über 1,3 Milliarden Menschen
entspricht diese Verknappung dem Jahresbedarf eines Landes wie Thailand.
Gleichermaßen sind die Auswirkungen der Landflucht zu sehen, die in
China ganz andere Dimensionen annimmt, wie dies in kleineren Ländern der
Fall ist. In der Konsequenz muss sich China daher ganz anders und viel
sorgfältiger verwalten, um für sich und andere Staaten negative Folgen
zu verhindern. Ist es daher verwunderlich, dass nationale Interessen im
Vordergrund stehen? Im Grunde ist die verstärkte Nationalisierung eine
direkte Folge dieser Globalisierung, da in Abwesenheit einer
ausgleichenden Instanz jedes Land sich selbst überlassen ist und sich so
gut wie möglich mit den Herausforderungen auseinandersetzen muss.
Am 14. April 2003 nahm Zha Peixin, Botschafter der Volksrepublik China
für Großbritannien und Nordirland, in seiner Rede vor der
Jahreskonferenz der „Chinese Economic Association“ zur Position Chinas
in der Globalisierung Stellung. Danach hat China nach langen Jahren der
Isolation erkannt, dass kein Land in der Lage ist, sich ohne
internationale Kooperation zu entwickeln. Zha Peixin macht jedoch auch
klar, dass die Globalisierung durch das Fehlen eines gerechten und
ausgleichenden Weltwirtschaftssystems zu unterschiedlichen Folgen vor
allem in weniger entwickelten Ländern führt, da die Erträge aus diesem
Prozess nicht gleich verteilt werden. Dennoch will sich China dieser
Herausforderung mit geeigneten Maßnahmen stellen und die Vorteile der
Globalisierung nutzen, um eine Verbesserung der Lebenssituation des
chinesischen Volkes zu erreichen. In einem wirtschaftlichen
Gesamtkontext, der über viele Jahre ohne die Präsenz Chinas gewachsen
ist, muss der Aufstieg Chinas jedoch zwangsweise zu einer Anpassung der
globalen Strukturen führen, will man vermeiden, dass sich die
Globalisierung zu einem Nullsummenspiel entwickelt. Das letzte Jahrzent
hat uns gezeigt, dass China nicht nur ein sensationelles
Wirtschaftswachstum geschaffen, sondern auch wie ein überdimensionaler
Staubsauger Investitionen aus anderen Ländern abgezogen hat. Darüber
hinaus hat China einen unersättlichen Hunger für Rohstoffe entwickelt
und die Weltmärkte mit Billigprodukten überzogen, was vor allem in den
alten Industrienationen zu vehementen Arbeitsplatzverlusten geführt hat.
In einer nun anstehenden Phase breitet sich China auch durch eigene
Investitionen aus, um seine strategische Position weiter auszubauen.
Diese Bemühungen werden ganz konsequent durch Forschung und Lehre
untermauert. Darüber hinaus versucht das Land sich von der bestehenden
technologischen Abhängigkeit freizuschwimmen und eigene Produkte in
allen Bereichen zu schaffen. Wird dieser Prozess in den nächsten Jahren
konsequent fortgeführt, dann wird sich die Welt nachhaltig ändern und
vor allem die USA und Europa sollten sich mit einem drohenden Verlust
ihrer bisherigen Vormachtstellung anfreunden.
Der Weg Chinas zur dominanten Weltmacht wird durch verschiedene Faktoren
begünstigt, die in sich geradezu Alleinstellungsmerkmale sind und weder
den USA noch den Europäern als solches zugänglich sind. Auch wenn die
Länder Asiens sich derzeit noch verstärkt auf die US und EU Märkte
konzentrieren, kann dies nicht als strategische Ausrichtung gewertet
werden. Derzeit sind einfach die meisten Dollars und Euros in diesen
Märkten zu erhalten. Was bei dieser Betrachtung gerne übersehen wird
ist, dass China eben nicht nur die uns allen bekannte Volksrepublik ist,
sondern ein internationales Netzwerk von sogenannten Überseechinesen,
die ihren Einfluss weit über Taiwan oder Hong Kong hinaus geltend
machen. Allein in Thailand liegt ein beachtlicher Teil der Wirtschaft
und des Finanzwesens in ethnisch chinesischer Hand und dies ist kein
Einzelfall. Auch in anderen Ländern gibt es heute schon eine gewachsene
Geschäftskultur, die sich China bedeutend näher fühlt als den USA oder
Europa. Ganz im Sinne der alten Lehre von Sun Tzu wird hier in aller
Stille ein effizientes Netzwerk aufgebaut und nur Wenigen wird die
fortschreitende Vernetzung in ihrer ganzen Bandbreite deutlich und
bewusst. Diese Affinität ist durchaus begründbar. So spielt hier nicht
nur die geografische Nähe eine entscheidende Rolle, sondern vor allem so
wichtige Aspekte wie militärische Sicherheit, gemeinsame Kultur,
Weltanschauung und natürlich der Gedanke, dass es sich hierbei um die
Entstehung einer asiatischen Macht handelt, die in ihrem Wesen in jedem
Falle attraktiver ist, als jede wie auch immer geartete Macht am anderen
Ende der Welt.
Wir alle haben bereits einen Vorgeschmack auf das bekommen, was uns in
nicht allzu ferner Zukunft als Folge dieser Entwicklung erwarten wird.
Haben wir vor vielen Jahren ein „made in Japan“ noch als Billigprodukt
empfunden, so kennen unsere Kinder kaum noch Rollei, Uher, Geha, Grundig
oder andere Marken, die einst für Innovation und Fortschritt standen.
Nahezu alle elektronischen Geräte und ein wachsender Anteil bei
Maschinen, Fahrzeugen und anderen Produkten kommt heute aus Japan, Korea
oder Taiwan. So hat zum Beispiel die chinesische Textilindustrie bereits
heute breitflächig Produktionsstätten in anderen Ländern vernichtet.
Gerne mag man sich hier fragen, wer seine T-Shirts heute noch in
Deutschland produziert, wenn selbst in Thailand ein Großteil der
Textilfabriken geschlossen hat? Verglichen mit der potenziellen
Wirtschaftsmacht Chinas ist das jedoch nicht zu vergleichen und die
heutigen Industrienationen können sich mit Beratung, Forschung und
Hochtechnologie kaum ausreichend über Wasser halten, um ihren Menschen
auch weiterhin ein Leben in Wohlstand zu ermöglichen. Die
wirtschaftliche Entwicklung Chinas wird auch in Zukunft anhalten und
schon durch die bereit stehenden Märkte Asiens gespeist werden. Länder
wie Thailand oder Singapore haben sich eng an China angeschlossen und
tätigen beachtliche Investitionen in allen Industriesektoren. So gehen
die meisten Länder Asiens davon aus, dass ihr Wachstum auf die Dauer
eher durch einen Anschluss an das chinesische Wirtschaftswunder
gewährleistet wird. Schließlich bestehen hier ja auch über Jahrhunderte
gewachsene Handelsbeziehungen, die an ihrer Effektivität bislang nichts
verloren haben. Hinzu kommt der Aspekt der politischen Affinität und die
Tatsache, dass die USA, wie auch die EU, sich in ihrer Geschichte immer
wieder in innere Angelegenheiten der Länder Asiens eingemischt haben.
Hier zeigt China eine ganz andere Position und ist damit wesentlich
kompatibler als die Herren aus fernen Ländern.
Ein fortschreitender Zerfall der Produktionsstätten in den
Industrienationen und die dabei zugrunde liegende Verschiebung der
Märkte in den asiatischen Bereich, wird zu nachhaltigen sozialen
Problemen in den USA und Europa führen. Wenn heute bereits Firmen ihre
Gewinne deutlich steigern und gleichzeitig massenweise Mitarbeiter
entlassen, dann ergibt sich hieraus keineswegs ein stabiles und
positives Bild der Märkte in Europa und den USA. Nimmt man nun die
Zuwanderung aus anderen Staaten und vor allem aus Afrika hinzu, dann
werden sich die Industrienationen sehr bald mit Problemen auseinander
setzen müssen, die heute noch als Randerscheinung betrachtet werden.
Dabei ist der internationale Terrorismus noch eines der zu bewältigenden
Probleme, denn wenn der Lebensstandard nicht mehr zu halten ist und die
Zukunft mehr und mehr ins Ungewisse gerät, dann wird unweigerlich der
Nährboden für nationalistische und rechtsradikale Gruppen geschaffen.
Als Folge hiervon können die Regierungen wiederum nur mit
Protektionismus und mit einschneidenden Maßnahmen in die Bürgerrechte
reagieren. Genau dies ist derzeit selbst in den USA zu beobachten und es
scheint, dass die Globalisierung bereits ihre ersten Ängste im Gewebe
der Betreiber der Globalisierung eingebettet hat.
Ein neues Denken ist also erforderlich und dies kann nicht mehr durch
einseitiges Gewinnstreben erreicht werden. Der traditionelle Wettbewerb
steht heute in dem Kontext einer wachsenden Umweltzerstörung,
Ressourcenknappheit und vor allem weltweiter Armut und wachsender
Migration, sowie den sich hieraus ergebenden globalen
Sicherheitsproblemen. Der Versuch des einseitigen Überlebens wird dabei
im Falle des Iran genau so deutlich, wie dies im Falle Nordkoreas oder
anderer Länder der Fall ist. Nur wenn unsere Ziele darin zu finden sind,
dass wir das tun, was nicht nur für uns selbst, sondern auch für die
internationale Gemeinschaft von Vorteil ist, erst dann können sich die
Länder einer Globalisierung anschließen, die nicht ausschließlich eine
Gewinnmaximierung, sondern eine globale Integration, gemeinsames
Wachstum und eine gerechte Verteilung der Güter zum Ziel hat. Um dies zu
erreichen, müssen Schmerzen ertragen, Besitzstände aufgegeben und neue
Wege gegangen werden. Wenn die USA heute davon sprechen, dass weltweit
nur durch einen Export der Demokratie stabile Zustände geschaffen werden
können, dann muss dem entgegen gehalten werden, dass jedes Land mit
seiner eigenen Staatsform auskommen kann, aber nicht die Welt als
solches. Wer es mit der Zukunft der Welt und der Menschheit ernst meint,
der muss auch die Demokratie globalisieren in der alle Menschen, ihre
Belange und Bedürfnisse entsprechend repräsentiert werden. Tun wir das
nicht, dann wird der Treibhauseffekt noch das geringste unserer Probleme
sein.
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