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Seit jeher haben Auguren, Hellseher, Druiden oder
auch sonst vermeintlich schlaue Zeitgenossen auf verschiedenste Weise
versucht, Licht in das allgemeine Dunkel der Menschheit zu bringen und,
wie sollte es auch anders sein, daraus ordentlich Kapital geschlagen.
Wissen ist eben Macht und das scheint auch der Grund dafür zu sein, daß
der überwiegende Teil der Menschheit über Jahrtausende ganz gezielt im
Dunkeln gelassen wurde. Wie sonst sollte es auch erklärbar sein, daß das
geballte Wissen des Mittelalters fürsorglich in Klöstern, Kirchen und
privaten Archiven unter Verschluß gehalten wurde? Nach etlichen
Revolutionen und Aufklärungen sind wir heute schließlich im Zeitalter
der Information angelangt und glaubt man den heutigen Auguren, so könnte
man fast den Eindruck gewinnen, daß Wissen heute im Überfluß und vor
allem frei verfügbar sei.
Nun, dieser Eindruck ist in seiner Konsequenz so falsch wie irreführend.
Zwar ist es durchaus richtig, daß uns Kabelfernsehen, Internet,
Zeitungen oder Radio ganze 24 Stunden am Tag mit Informationen versorgen
und gelegentlich sogar zuschütten. Aber Information ist eben nicht
gleich Wissen, sondern in erster Linie immer dann ein Nährboden für
Beeinflussung, Irreführung oder Polemik, wenn eine solche Information
nicht ausreichend verarbeitet, interpretiert oder zumindest sinnvoll
eingeordnet wird. Und vieles, was wir tagtäglich als Information
präsentiert bekommen, ist kaum als solche zu qualifizieren, sondern
dient mehr und mehr der unterschwelligen Beeinflussung unserer ganz
persönlichen Entscheidungsfreiheit.
Der schlichte Drang nach politischer Macht hat sich im Laufe der Jahre
mit wirtschaftlichen Interessen vermischt und ganz offensichtlich bedarf
keines der hiermit verbundenen Ziele einer besonderen Aufklärung des
Empfängers der Information. Ganz im Gegenteil, je weniger der Empfänger
versteht, desto besser ist es für manche Information. Psychologen und
Sozialwissenschaftler werden gerne zu Rate gezogen, um die Aufmachung
und das Design der Information entsprechend wirksam zu gestalten. Und da
es entscheidend auf die „Message“ ankommt, wird der Inhalt dabei leider
zu oft bewußt in die völlige Unwesentlichkeit verbannt. Kritische
Betrachtungen insbesondere amerikanischer Nachrichtensendungen und
vieler Internet-Seiten, Zeitungen oder Radiosendungen können diesen
Eindruck durchaus belegen und zu dem Schluß führen, daß Information zum
tragenden Fundament der Unterhaltungsindustrie geworden ist. Wozu also
noch studieren oder einen Beruf von der Pike an lernen, wenn eine CD-ROM
oder noch besser ein einschlägiges Video im Angebot ist?
In Deutschland und anderen Industrienationen wird vielerorts die stete
Verschlechterung der Ausbildung beklagt und auch Firmen in Thailand
mögen kaum verwundert sein, daß selbst begehrte MBA Absolventen kaum
sinnvoll mit ganz normalen Prozentrechnungen umgehen können. Solange
jedoch das Verständnis für logische Zusammenhänge fehlt, hilft dann auch
der gezielte Griff zum Taschenrechner oder Computer nicht viel, denn
beide tun eben auch nur das, was der Benutzer in Auftrag gegeben hat. So
mag es wohl auch vielen Käufern verborgen geblieben sein, daß
thailändische Autohäuser bei Finanzierungen nicht den effektiven
Jahreszins angeben, sondern unverblümt Zinsen über die ganze Laufzeit
vom vollen Kaufpreis berechnen. Na ja, 8% sind eben nicht immer 8%. Aber
auch in Amerika wird selbstbewußt damit geworben, daß die 2 Literflasche
immerhin 50% mehr Inhalt bietet als die alte 1 Literflasche. Das ändert
zwar am Inhalt der Flasche nichts, zeigt jedoch das Niveau auf dem sich
so mancher inzwischen bewegt.
Nach vorsichtiger Einschätzung bleiben bei der Mehrheit aller Benutzer
etwa 75% aller Funktionen eines Office Pakets ganz einfach deshalb
ungenutzt, weil der oder die Betreffende von deren Existenz keine
Kenntnis hat oder nichts damit anfangen kann. Es ist schon schwer eine
Sekretärin zu finden, die mit Tabulatoren, Spalten und Tabellen richtig
umgehen kann und den von der alten Schreibmaschine gewohnten Griff zur
Leertaste überwinden konnte. So ist dann auch in anderen Bereichen nicht
mehr erstaunlich, daß selbst in geschäftlichen Besprechungen
Informationen, die sich zunehmend mehr durch Originalität,
Unterhaltungswert oder Bezugslosigkeit auszeichnen, leichtfertig
verbreitet werden und kaum einen sinnvollen Beitrag zur Problemlösung
leisten. Vor allem bei endlos langen Meetings stellt man immer wieder
fest, daß das Detail eine unheimlich wichtige Rolle einnimmt und gerne
auch Zitate aus der Boulevardpresse eingebracht werden, die jeglichen
Zusammenhang mit dem Thema vermissen lassen.
Cogito, ergo sum 1) - der tragende Leitsatz von René Descartes ²) -
scheint in einer Welt von politischen und wirtschaftlichen Interessen
und der nicht enden wollenden Sucht nach Unterhaltung untergegangen zu
sein. Sollte eigentliches Wissen noch immer einer Minderheit vorbehalten
sein?
Was ist zu tun, wenn die Talkshow plötzlich einen höheren Stellenwert
einnimmt als das Fachbuch und Mitarbeiter mit einfachsten
Aufgabenstellungen nicht mehr fertig werden? Gibt es eine effektive
Lösung, wenn Kunden oder auch die eigenen Manager aus dem Zusammenhang
gerissene Informationen falsch anwenden oder sich mit allgemeinen
Slogans zufrieden geben? Was kann ein Manager noch tun, wenn tägliche
Arbeiten ohne Verständnis, Kreativität und ohne Rücksicht auf bestehende
Gesetzmäßigkeiten ausgeführt werden? Gerade Firmenchefs und
Führungskräfte sollten sich ernsthaft mit diesen Gedanken beschäftigen.
Eine entsprechende Untersuchung bei eigenen Mitarbeitern oder Kunden
erscheint durchaus sinnvoll, um die Effektivität des eigenen
Unternehmens zu sichern. Die entscheidende Frage ist dann kaum, wie
viele Informationen uns in unserer Arbeit täglich zur Verfügung stehen,
sondern inwieweit wir in der Lage sind, hieraus logische und vor allem
zuverlässige Schlußfolgerungen zu ziehen. In einer Zeit der
unkontrollierten Informationsflut ist dies nicht zu unterschätzen. Zu
oft werden Kunden und selbst Mitarbeiter mit dieser Flut von
Informationen geradezu überhäuft und nur selten wird die Frage
aufgeworfen, ob diese Informationen in ihrem Sinn und Wesensgehalt
überhaupt verstanden werden. Information ist zur Handelsware geworden
und muß als solche auch gehandelt werden. Auch machen Computerprogramme,
digitale Organizer oder ein schmuckes Handy noch keinen Manager und
ersetzen schon gar nicht eine fundierte Ausbildung. Ganz im Gegenteil,
all die kleinen technischen Helfer machen eine umfangreiche Ausbildung
notwendiger als je zuvor.
Da hilft dann auch kein technisches Aufrüsten, um mehr Qualität im
Unternehmen zu erzeugen, denn auch modernste Systeme ersetzen nicht die
menschliche Erfahrung und Flexibilität, wenn es um komplexe strategische
Entscheidungen geht. Dies bleibt dem Menschen vorbehalten, birgt
allerdings auch das Risiko in sich, daß auch der vermeintliche Experte
sein Fach nicht beherrscht und damit Mensch und Maschine versagen.
Bedingt durch die Not ständig etwas Neues zu berichten und „informativ“
zu sein, zeichnen sich allzu viele der modernen Informationsquellen
genau durch das Gegenteil aus, wobei Information und Werbung nur noch
schwer zu trennen sind. Meinungen werden dann ganz schnell zu Analysen
und finden sich plötzlich als Fakten in geschäftlichen Besprechungen
wieder. Ein Beispiel wird uns jeden Tag von den Börsengurus vorgeführt
und gerade die Fehleinschätzung des asiatischen und damit auch des
thailändischen Marktes hat viele fast an den Rand des Ruins gebracht.
Wunschdenken wird verstärkt als Information verkauft und suggeriert, was
von jedem Einzelnen zu tun oder zu denken ist. Doch, wie vollständig
oder objektiv ist die Information, die uns jeden Tag erreicht? Da war
die überaus positive Prognose für den thailändischen Grundstücksmarkt,
die von den gleichen Experten nach Einbruch der Wirtschaftskrise ganz
einfach ins schlichte Gegenteil verdreht wurde. Der Wunsch etwas
Besonderes zu sein mag dann auch die Triebfeder für Mitteilungen sein,
die da besagen, daß Thailand sich nun zum Bankenzentrum, Internetzentrum
und seit kurzem auch noch zum medizinischen Zentrum Asiens entwickeln
wird. Wie soll der normale Bürger solche Mitteilungen bewerten? Da eine
solch selektive Berichterstattung von den meisten nicht als solche
erkannt wird, entwickeln sich diese Informationen leider schon bald zu
einer eigenen Realität. Leichtgläubigkeit und das Prinzip Hoffnung
bestimmt dann nicht nur persönliche Entscheidungen, sondern leider auch
politische und wirtschaftliche Strategien.
Gerade hier in Thailand müssen Führungskräfte daher peinlich genau den
Wissensstand der Mitarbeiter untersuchen und entsprechende Maßnahmen
einleiten. Dabei sollte man, ohne falsche Scham, bis auf die Grundlagen
zurück gehen und selbst Ausbildung in den Grundrechenarten in Erwägung
ziehen. Vor allem individuell gestaltete Kurse in logischem Denken oder
zum Aufbau von Fähigkeiten zur Verarbeitung von Informationen können das
Basiswissen erheblich verbessern. Dies eröffnet auch die Grundlage für
eine qualitative Verbesserung täglicher Entscheidungen in einem
Unternehmen. Auch ist zu bedenken, daß das thailändische
Ausbildungssystem noch immer eine im Grundsatz kasuistische Lernmethode
verwendet, bei der eher Einzelfälle, aber nicht logische Zusammenhänge
gelernt werden. Die Folge ist in vielen Fällen Unverständnis für neue
Situationen und die Bereitschaft jeden verfügbaren Rat ungeprüft
anzunehmen - auch dann, wenn dieser noch so verfehlt sein sollte.
Fehlende Qualifikation der Mitarbeiter wird von sehr vielen Firmen in
Thailand beklagt und doch finden wir sehr wenige darunter, die effektiv
gegen diesen Umstand vorgehen. Es ist an der Zeit, daß Führungskräfte
die Realität akzeptieren und sich der Notwendigkeit eines firmeneigenen
Ausbildungsprogramms nicht weiter verschließen. Dabei wird es kaum
ratsam sein das Kursprogramm aus Deutschland oder Amerika zu kopieren,
da die dort angewandten Lehrmethoden und die vermittelten Informationen
in den wenigsten Fällen den Bedürfnissen der lokalen Mitarbeiter gerecht
werden.
In einer Informationsgesellschaft müssen Mitarbeiter zuerst mit der
Fähigkeit ausgestattet werden, die Informationsflut zu bewältigen und
logisch zu verarbeiten. Fehlt der gedankliche Hintergrund oder die
erforderliche Denkweise, dann verursachen auch substantielle
Informationen mehr Verwirrung als Hilfe bei der Lösung eines Problems.
Testen sie sich selbst und nehmen sie ganz einfach das folgende allseits
bekannte und oft zitierte Beispiel:
„Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber“ bemerkte Faust 3), als er
folgendes von der Hexe vorgelesen bekam:
Du mußt verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei laß gehn,
Und Drei mach gleich,
So bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex‘,
Mach Sieben und Acht,
So ist‘s vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins.
Das ist das Hexeneinmaleins.
Können Sie mit dieser Information etwas anfangen?
Erklärungen:
1) Cogito, ergo sum. Lateinisch, bedeutet: Ich denke, deshalb bin ich.
2) René Descartes, französischer Philosoph, 1596 - 1650
3) Goethe, Faust, Erster Teil, 2540 ff.
Hexeneinmaleins: Die Lösung
Die Hexe erläutert genau den Aufbau eines magischen Quadrats.
Du mußt verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei laß gehn,
Und Drei mach gleich,
In die erste Reihe kommt also 10, 2 und 3.
So bist du reich.
Reich an Wissen, denn man weiß jetzt schon: Die Summe muß immer 15
ergeben.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex‘,
Mach Sieben und Acht,
In die zweite Reihe kommen also 0, 7 und 8.
So ist‘s vollbracht:
Fast, denn die dritte Reihe kann jetzt selbst erstellt werden. Nehmen
Sie die verlorene 4 und die 5 und 6 und wieder ergibt sich eine
Quersumme von 15.
Und Neun ist Eins,
Diese neun Felder ergeben ein magisches Quadrat.
Und Zehn ist keins.
Magische Quadrate mit 10 Feldern gibt es nicht.
Das ist das Hexeneinmaleins.
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