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Die alte Schule des Vertriebs ist über die
Jahre bei Unternehmen in Vergessenheit geraten und vor allem in Thailand
fällt auf, daß Vertriebsmitarbeiter nur selten mit dem nötigen
Handwerkszeug ausgestattet werden. Ganz offensichtlich wird die Aufgabe
von vielen unterschätzt. Immer wieder muß man die leidvolle Erfahrung
machen, daß gute Ideen und Produkte ganz einfach deshalb nicht zum Zuge
kommen, weil der betreffende Manager im Verkaufsgespräch und vor allem
in Präsentationen nicht überzeugen kann. Zu schnell und zu oft wird die
Schuld am negativen Ausgang dann dem Kunden übertragen, der mal wieder
nichts verstanden hat oder ja ohnehin gar nicht interessiert war.
Eigenkritik und der Mut sich zu verbessern bleibt da zumeist auf der
Strecke und das Unternehmen hat den Schaden.
Verkaufen und Präsentieren ist eine Kunst, die erlernt werden kann.
Diese Wertschätzung wird jedoch nicht von allen Managern geteilt.
Techniker, Buchhalter, Designer oder Entwickler werden wegen ihrer
Aufgabe und Ausbildung geschätzt, wobei Vertriebsmitarbeiter als
einfache Verkäufer abgetan werden. Nun, in vielen Fällen sind sie das ja
auch und verdienen sicherlich auch keinerlei gesteigerte Wertschätzung.
Da nun aber ein jedes Unternehmen ganz wesentlich vom Verkaufserfolg
abhängig ist, verwundert es doch sehr, daß ausgerechnet dieser tragenden
Säule des Unternehmens viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Und
bei genauerem Hinsehen ist jeder Mitarbeiter, der mit Kunden in Kontakt
kommt, ein Vertriebsmitarbeiter.
Ausländische Manager in Thailand stehen dem Problem noch hilfloser
gegenüber, da bereits die Sprache eine direkte Überprüfung der Qualität
der Mitarbeiter unmöglich macht und der Faktor „das mache man so hier in
Thailand“ allgegenwärtig ist. Aber auch die Präsentationen ausländischer
Manager sind in zu vielen Fällen weit davon entfernt, den thailändischen
Kunden auch nur irgendwie zu überzeugen. Ist es nur die Sprache oder
wäre es an der Zeit so „banalen“ Fähigkeiten wie Kommunikations- und
Präsentationstechnik mehr Aufmerksamkeit zu widmen?
„Präsentation am Freitag beim Kunden? Kein Problem, das hab ich ja schon
oft gemacht, lassen sie mich nur wissen wann und wo?“. Das ist der
Beginn einer allgemein gefürchteten Standardpräsentation, die nicht nur
den Kunden langweilt, sondern auch die Reputation der eigenen Firma in
Frage stellt. Jedes Gespräch und jede Präsentation ist die Visitenkarte
des Unternehmens und zeigt ihre Wertschätzung gegenüber dem Kunden. Wer
will schon mit einem Standardvortrag abgespeist werden? Schließlich hat
sich der Kunde ja auch die Zeit genommen, sich stundenlang in die
Präsentation zu setzen, da man hoffte auf die drängenden Fragen eine
ordentliche Antwort zu bekommen. Indes stört es viele Manager nur wenig,
welche Anforderungen der Kunde hat, wer gerade anwesend ist oder welchen
Hintergrund die einzelnen Zuhörer mitbringen. So überrascht es kaum, daß
in Präsentationen immer wieder mit langatmigen Vorstellungen der eigenen
Firmenorganisation begonnen wird und selbst nach Stunden wurde nicht ein
einziger sinnvoller und direkter Bezug zum Kunden und dessen Firma
hergestellt.
Vielleicht wird dies in Europa lediglich als langweilig abgetan. Hier in
Thailand hat dies weitreichendere Folgen, da dem persönlichen Verhältnis
zwischen Geschäftspartnern ein viel höherer Stellenwert beigemessen wird.
In einem Falle durften wir als Berater miterleben, wie der Kunde sich
ganz bewußt in einem großen Projekt gegen eine technisch und preislich
bessere Lösung entschieden und den Vorzug einer anderen Firma gegeben
hat. Die Vor- und Nachteile dieser Entscheidung waren dem thailändischen
Kunden durchaus bewußt, jedoch hat schließlich den Ausschlag gegeben,
daß man sich bei der anderen Firma einfach besser verstanden fühlte und
somit an einen besseren Projekterfolg glaubte. Die unterlegene Firma hat
dies erkannt und umgehend die Schulung ihrer Mitarbeiter eingeleitet.
Thailändische Kunden gehen mit derselben Einstellung in Präsentationen
wie das die Kunden in Europa tun. Der Unterschied muß eher darin gesehen
werden, daß thailändische Kunden nicht nur auf die nackten Fakten sehen
und sich für das beste Preis/Leistungsverhältnis entscheiden, sondern in
vielen Fällen beeindruckt und „hineingeredet“ werden wollen. Der
thailändische Hang zu Markennamen und bekannten Firmennamen ist bekannt
und steht dafür, daß man für sein Geld etwas Besonderes und
Vorzeigenswertes erhalten will. Auf keinen Fall will der thailändische
Kunde mit den Fakten allein gelassen und schon garnicht zur logischen
Verarbeitung der Fakten gezwungen werden. Das Produkt muß nicht nur gut
sein, sondern auch gut präsentiert werden. Produktimage und Reputation
der Firma sind von entscheidender Bedeutung und sofern dies nicht von
selbst erkennbar ist, muß dies im Gespräch und in Präsentationen
entsprechend vermittelt werden.
Auswahl und Ausbildung gerade von Vertriebsmitarbeitern muß sich in
Thailand an den Besonderheiten des Landes orientieren und nahezu alle
Mitarbeiter benötigen neben dem fachlichen Produkttraining in jedem
Falle auch professionelles Training in den Bereichen Kommunikations- und
Präsentationstechnik. Die Gründe hierfür sind verständlich, wenn man
sich vergegenwärtigt, daß für Thailänder die Darstellung der eigenen
Person und extrovertiertes Verhalten außerordentlich unangenehm sind.
Konfrontiert mit hochrangigen Kundenvertretern entwickeln thailändische
Mitarbeiter nicht nur ein eher unterwürfiges Verhalten, sondern neigen
auch dazu das Produkt zugunsten des eigenen „Überlebens“ zu opfern. Bei
allzu dynamischen Managern führt dies andererseits auch zur
unverzeihlichen Überschreitung thailändischer Verhaltensregeln, da in
dieser Streßsituation der angemessene Ausgleich von westlichen und
thailändischen Verhaltensweisen nicht mehr kontrollierbar ist. In beiden
Fällen geht es letztlich nicht mehr um das Produkt, sondern vielmehr um
das Überleben in der Präsentation und die Bewahrung des eigenen Gesichts.
Die Vorbereitung einer professionellen Präsentation erfordert unter
anderem die genaue Analyse der Zuhörer und eine entsprechende Einbindung
der Teilnehmer der Präsentation. Getragen von allgemeinen Denkweisen und
Vorurteilen werden Kunden in der Regel nicht individuell behandelt,
sondern eher als Gruppe. Das Management, die Ausländer, die Anwender
sind bekannte Kategorien und nicht die Person im Einzelnen. Gerade der
Widersacher beim Kunden wird so natürlich gerne ignoriert, da Thailänder
nun ja eine bekannte Abneigung zu Problemlösungen mitbringen.
Widersacher werden schon deshalb in Ruhe gelassen, weil sich daraus nach
allgemeiner Meinung nur Probleme und sogar persönliche Konflikte ergeben
können. Die Fähigkeit mit solchen Situationen offen und aktiv umzugehen
wird in Thailand nicht ausreichend vermittelt. Der Manager wird daher
eher den einfachen Weg suchen und am Problem vorbeigehen. Auf diese
Weise sind natürlich die Widersacher nicht für die eigene Sache zu
gewinnen und die Bearbeitung des Problems ist verschoben.
Die wirtschaftliche Entwicklung in Thailand hat auch eine geänderte
Erwartungshaltung bei Kunden und Entscheidungsträgern zur Folge. Zwar
wird noch immer das thailändisch korrekte Verhalten erwartet, jedoch
vermischt sich dies mehr und mehr mit klaren Anforderungen an
Professionalität. Der Kunde erwartet die Beantwortung seiner Fragen, das
Aufzeigen von Vorteilen und zunehmend auch die Beratung bei wichtigen
Entscheidungen. Das Eingehen auf den Kunden, aber vor allem das
konsequente und selbstbewußte Vertreten des eigenen Produktes gewinnt
zunehmend an Bedeutung. Selbstbewußtsein ist jedoch nicht die
berühmteste Eigenschaft der Thailänder und gutgemeinte Versuche enden
leider oft in unbeholfener Darstellung von Arroganz. Wenngleich
ausländische Manager dies oft als positive Entwicklung werten, da dies
unserem Bild eines dynamischen Managers eher entspricht, so werden diese
Mitarbeiter beim Kunden in der Regel keinen Erfolg erzielen.
Auch ausländische Manager haben sichtbar Probleme sich überzeugend in
Präsentationen zu verkaufen und wie bei ihren thailändischen Kollegen
wird kaum auf Rhetorik, Körpersprache, Argumentation oder auf einen
geeigneten Aufbau der Präsentation geachtet. Standardpräsentation
erleichtern zwar den Vortrag, halten aber den Manager immer wieder davon
ab, sich mit dem Kunden und dessen Erwartungen eingehend zu beschäftigen.
Thailändischen Managern und Mitarbeitern werden diese Fehler nicht so
einfach verziehen und der Mitarbeiter wird als nicht kompetent bewertet.
Diesem Schicksal folgt dann auch die Bewertung des Produktes. Die
Nachteile liegen auf der Hand.
Die firmeninterne Ausbildung der Mitarbeiter muß diesen Umständen
Rechnung tragen. Unternehmen müssen ihren thailändischen aber auch
ausländischen Mitarbeitern entsprechende Lehrgänge und
Trainingsveranstaltungen in Kommunikations- und Präsentationstechnik
anbieten, um eine effektive und professionelle Repräsentation der
eigenen Produkte zu gewährleisten. Aufgrund des hiesigen
Ausbildungssystems ist dies keine einfache und sicherlich auch keine
kurzfristige Maßnahme. In jedem Falle sind diese Maßnahmen jedoch
notwendig und gerade in Zeiten allgemeiner wirtschaftlicher Probleme
unverzichtbar. |