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In allen Medien werden derzeit ausführliche
Analysen zu den Gründen und Hintergründen der Krise in den asiatischen
Tigerstaaten angeboten. Für den in Thailand aktiven Unternehmer sind
Zahlen, Tabellen und Grafiken zumeist jedoch nicht ausgesprochen
hilfreich. Geschäftsstrategien und vor allem Entscheidungen für weitere
Investitionen verlangen nach besserem Verständnis der zugrunde liegenden
Faktoren.
Die Krise hat sich nicht auf Thailand beschränkt, sondern hat sich
schlagartig und flächendeckend wie ein Virus auf ganz Asien ausgedehnt
und nunmehr auch den Giganten Japan erfaßt. Wenn man sich nun die zuvor
schon fast einseitig positiven Prognosen der Finanzexperten für die
kommende Wirtschaftsmacht Asien in Erinnerung holt, dann wird deutlich
wie unzuverlässig und vielleicht auch oberflächlich diese Einschätzung
von Ländern wie Thailand gewesen ist. Wie sich herausgestellt hat war
dies ein fataler Fehler.
Der in Thailand investierende Unternehmer muß schon tiefer gehen, um aus
der derzeitigen Krise erfolgreich hervorgehen zu können. Wurden in der
Vergangenheit Investitionsentscheidungen vielfach aufgrund von
allgemeinen Marktinformationen und auf der Basis von in Deutschland
erprobten Konzepten getätigt, so ist es an der Zeit, daß deutsche Firmen
Thailand als eigenständigen Markt erkennen und die Existenz von völlig
unterschiedlichen Management- und Entscheidungsstrukturen,
wirtschaftlichen Betrachtungsweisen und Prioritäten, Käuferverhalten und
Gesellschaftsstrukturen tatsächlich akzeptieren. Die Krise in Thailand
ist nicht nur hausgemacht, sondern zu einem guten Teil auch von
ausländischen Investoren unterstützt worden. Investitionen und Gelder
sind in beträchtlichem Umfang ins Land geflossen ohne ausreichende
Prüfung des Marktes, der Absatzmöglichkeiten und vor allem der Erfahrung
der Geldempfänger. Es geht hierbei nicht um einfache Verhaltensregeln,
sondern um die Einsicht, daß ein Großteil der thailändischen
Geschäftswelt nach anderen Regeln arbeitet, anderen Prinzipien folgt und
daher vor allem in Bereichen wie Buchführung, Kostenbewußtsein oder
Geschäftsplanung von deutschen Grundsätzen maßgeblich abweicht. Dies
führt dazu, daß bekannte Sicherheitsmechanismen bei Investitionen oder
Kreditvergaben nicht oder zumindest nicht ausreichend eingegriffen haben.
Fehlinvestitionen waren die Folge.
Die heutige Krise zeigt wesentlich gravierendere Konsequenzen als zuvor,
da sich Thailand in den vergangenen Jahren stark entwickelt hat und
nunmehr in einer anderen Liga spielt. Dies hat deutliche Versäumnisse
vor allem im Ausbildungsbereich offengelegt und die Qualität und
internationale Erfahrung des lokalen Managements in Frage gestellt. Dies
bedeutet, daß entsprechende Strategien von ausländischen Unternehmen zu
entwickeln sind, welche einerseits den lokalen Gegebenheiten ausreichend
Rechnung tragen und andererseits zur Verankerung von professionellen
Managementmethoden führen. Der ausländische Investor und Unternehmer ist
hier stark gefordert und dies nicht nur im eigenen Unternehmen. Es gilt
in gleichem Maße Kunden, Partner und Zulieferer zur Einführung und
Einhaltung von professionellen Geschäftsabläufen zu motivieren.
Die Ansicht, daß man mit den lokalen Geschäftspraktiken alleine weiter
kommt ist ein Trugschluß und macht das eigene Unternehmen so anfällig
wie die anderen. Aus diesem Grunde kann die richtige Reaktion auf die
derzeitige Krise auch nicht die vorschnelle Entlassung von Mitarbeitern
sein. Es müssen neue Konzepte zur Verbesserung der Profitabilität und
Effizienz des Unternehmens entwickelt werden, wobei Maßnahmen wie
Automatisierung, Kostenreduzierung und langfristig angelegte Ausbildung
der Mitarbeiter diesen Prozeß ebenso begleiten müssen wie die
Entwicklung und Einführung von neuen und geeigneten Vertriebs- und
Produktstrategien. Diese Anpassung an die neuen Marktgegebenheiten ist
dabei keine Option, sondern zwingende Voraussetzung zum weiteren Erfolg.
Der thailändische Markt ist angeschlagen, aber immer noch vorhanden und
unterzieht sich im Moment einem dramatischen Wandel. Entsprechende
Änderungen in der Gesetzgebung weisen bereits heute darauf hin, daß
Thailand die Lehren der Krise verstanden hat und entsprechende
Änderungen einleiten wird. Auch wenn dieser Veränderungsprozeß geraume
Zeit in Anspruch nehmen wird, so ist davon auszugehen, daß der Markt
sich deutlich verändern und somit auch neue und profitable
Geschäftsfelder eröffnen wird. Diese Geschäftsmöglichkeiten werden
jedoch nur dann sinnvoll zu nutzen sein, wenn das eigene Unternehmen
sich der neuen Lage schnell anpaßt, wettbewerbsfähig ist und vor allem
professionell geleitet wird. |